Entspannungstraining, Meditation und QiGong – die Klaviatur unserers Nervensystems entdecken

Meditation ist eine sehr alte Praxis zur Schulung des Bewusstseins und zur Selbstentwicklung. Sie wird seit Urzeiten zur Entwicklung der Persönlichkeit in den Bereichen Gesundheit, Führung, Kampfkunst und für die spirituelle Entwicklung eingesetzt.
Die von mir angebotenen Meditationen kommen im wesentlichen aus der Achtsamkeitspraxis, aus dem Buddhismus und dem QiGong.
In allen Meditationsformen werden Achtsamkeitstechniken (s. a. „Achtsamkeit“) eingesetzt, um einen Eutonus zu erreichen, ein Zustand des Wohlbefindens, der sowohl entspannt als auch wach ist. Dies ist möglich, indem gleichzeitig der sympathische (aktivierende), als auch der parasympathische (entspannende) Ast unseres Nervensystems aktiviert sind. Der dadurch erreichte Zustand ähnelt dem entspannten und doch sehr wachem Zustand z.B. einer Katze. Während sich ihr Körper und ihr vegetatives Nervensystem in einem Zustand der Regeneration befinden, ist ihr Geist hellwach und sie kann blitzschnell – falls erforderlich – in Aktion treten. Explizit wird diese Fähigkeit auch in bewegten Meditationen wie QiGong und TaiChi oder in den Kampfsportarten wie KungFu trainiert. In den alten Schulen der Kampfsportdisziplinen stellte Geistestraining und Persönlichkeitsschulung immer die Basis der Kampftechniken dar.

Beim Entspannungstraining nutzen wir ebenfalls Achtsamkeitstechniken. Hierbei wird allerdings primär ein Herunterfahren des sympathischen Nervensystems und eine Aktivierung des parasympathischen Nervensystems angestrebt um einen Hypertonus, also eine Überanspannung aufzulösen und in eine tiefe Entspannung einzutreten. Die Aufmerksamkeit wird dabei von der Umwelt abgezogen.

Dies ist hilfreich, um Balance in einem von Streß geprägten Alltag zu finden, um auszuruhen oder um einschlafen zu können. Wenn ein Mensch über einen längeren Zeitraum – z.B. aufgrund beruflicher Überbeanspruchung - übermäßig aktiviert ist, geht es darum das System zu balancieren, d.h. zu entspannen. In diesem Fall würde ich primär Entspannungstraining empfehlen, um das Nervensystem daran zu erinnern, wie es in den Ausgleich, also in die Entspannung zurückfinden kann. Diese Fähigkeit steht dann wieder in einem ausreichenden Maße zur Verfügung, wenn ein Mensch in der Lage ist sich zu entspannen und zu erholen.
Auf die Grundlage einer vorhandenen Entspannungsfähigkeit aufbauend, können wir das Nervensystem in seiner natürlichen Flexibilität zu trainieren. Diese ermöglicht es uns wie eine Katze entspannt und hellwach gleichzeitig zu sein, schnell reagieren und dann auch schnell wieder entspannen zu können.

Die Fähigkeit im wachen und entspannten Eutonus zu verweilen erlaubt es, sich schnell an äußere Umstände zu adaptieren, bei Bedarf Zustände von Flow und Peak Performance zu erreichen und zwischendrin so tief zu entspannen, dass Körper und Geist sich erfrischen und erneuern.
Hierfür sind die alten asiatischen Meditationstechniken bestens geeignet. Diese werden in Techniken des „Ruhigen Verweilens“ (Shamatha) und „Einsichtsmeditationen“ (Vipassana) unterteilt.
Das Shamatha-Training des ruhigen Verweilens dient dazu den Geist zu beruhigen. Wir lernen dabei in der Gegenwart und in unserem Körper anzukommen, uns sicher und geborgen zu fühlen. Erst auf dieser Grundlage wird unser Geist ruhiger werden und schließlich auf dem Objekt ruhen, welches wir als Meditationsgegenstand gewählt haben. Dies kann der Körper, der Atem, eine Kerzenflamme oder ein Bild sein. Training im „Ruhigen Verweilen“ ist somit ein hervorragendes Training in der Fähigkeit der Konzentration. Das Training wirkt auf Gehirnstrukturen, die dafür zuständig sind die Aufmerksamkeit an ein gewähltes Objekt zu binden, ggf. das Abwandern des Aufmerksamkeits-fokus wahrzunehmen und somit also der Ablenkung zu widerstehen. Studienergebnisse zeigen, dass damit auch ADHS-Symptome reduziert werden können (eine Übersicht über Studien zu diesem Thema geben M.G. Bissanti M.Ed., D.P. Brown Ph.D., J. Pasari, Ph.D., 2020).
Wenn der Geist schließlich immer ruhiger wird und mehr und mehr in den gegenwärtigen Moment eintritt, setzen sich aufgewühlte Gedanken, Gefühle, Empfindungen und Geschichten, wie aufgewirbelter Sand in einem Wasserglas sobald das Wasser zur Ruhe kommt. Der Geist wird wacher, klarer, konzentrierter und schließlich auch – weil unabgelenkt - flexibler und reaktionsfähiger. In dieser Phase nähern wir uns dem Zustand der Katze, die sowohl entspannt, als auch hellwach ist, die regeneriert und gleichzeitig bei Bedarf sofort reagieren kann.

Wird die Shamatha-Praxis weiter entwickelt, ist es möglich wahrzunehmen, dass das Erleben des gegenwärtigen Momentes aus Myriaden von Pixeln und Bewegungen besteht, die sich ständig verändern.

Sobald diese Wahrnehmung möglich wird, kann der Meditierende zuschauen wie sein Bewusstsein das eigene Erleben erschafft bzw. konstruiert. Diese Einsicht – eine der Grundeinsichten des Vipassana - ermöglicht es das eigene Erleben als subjektiv erschaffene Wirklichkeit zu begreifen. Anstatt zu glauben, dass wir eine objektiv gegebene Welt wahrnehmen, merken wir, dass wir – unser Geist – die Schöpfer unserer eigenen Wirklichkeit sind. Anstatt sich mit Gefühlen, Gedanken, Beschreibungen und Geschichten zu identifizieren und darauf zu beharren, dass sie eine objektive Wahrheit wieder geben, können wir ihre subjektive Natur erkennen. Dadurch werden wir frei dafür andere Möglichkeiten der Wirklichkeitskonstruktion zu erforschen, die erfreulicher, leichter und offener sind (s. a. „Hypnotherapie oder Ego-State-Ansatz). Wir können das grundlegende Gutsein entdecken, das in der Natur unseres Geistes liegt und das uns einen Zugang zu unangestrengter und entspannter Freundlichkeit uns selbst und anderen gegenüber eröffnet.

Leider befinden sich viele Menschen in unseren westlichen Gesellschaften entweder in einem gestressten Zustand (Hypertonus) von Hektik, Unruhe, Leistungsdruck und Konkurrenz oder in einem Zustand von Erschöpfung (Hypotonus) bzw. in der fortgeschrittenen Variante in einem Zustand von angespannter Erschöpfung, in dem Entspannung nicht mehr möglich ist (landläufig als „Burnout“ bezeichnet). Viele haben sich an die Vorstellung gewöhnt, dass es der Normalfall wäre „sich selbst zu optimieren“ bzw. die eigene Leistungsfähigkeit bis zur Grenze auszuschöpfen. Die Folge sehen wir in der pandemischen Zunahme von Streßerkrankungen und Burnout-Syndromen.
Das Nervensystem vieler Mitglieder unserer Gesellschaft pendelt also zwischen den zwei Extremen von „Hyper-“ und „Hypo“. In den Jahrmillionen unserer Entstehungsgeschichte hat die Evolution unser Nervensystem jedoch sehr elegant dafür optimiert in einem entspannten und gleichzeitig wachen Zustand zu sein. Sowohl die übermässige Aktivierung, als auch die völlige Erschöpfung sind in der Natur Ausnahmezustände, welche existentielle, d.h. potentiell bedrohliche Situationen charakterisieren.

Um die Normalität der wachen Entspanntheit wieder in unserem Leben zu kultivieren ist es wichtig eigene Kraftquellen körperlicher und geistiger Art im Alltag zu pflegen und zu genießen. Ist die Entspannungsfähigkeit verloren gegangen kann sie mit Hilfe von Entspannungstraining wieder erlangt werden.

Und wer die Klaviatur seines Nervensystems wieder mit Freude und Eleganz spielen möchte, für den bieten sich die alten Künste von Meditation, QiGong, TaiChi und Yoga an, um die Grundlagen noch ein wenig tiefer zu erlernen.

Unter den meditativen Bewegungskünsten stellt QiGong eine Besonderheit dar, da es sehr viele Elemente kombiniert. QiGong ist eine jahrtausende alte Praxis der Lebenspflege, die zum Ziel hat Körper und Psyche zu harmonisieren, zu kräftigen und zu aktivieren. Blockaden werden abgebaut, so dass die Lebensenergie „Qi“ freier fließen kann, die Energie wird angereichert, die Wahrnehmungsfähigkeiten werden sensibilisiert, Achtsamkeit wird geschult.
Dies alles geschieht mit weich fließenden, präzisen Bewegungen, die durch Atmung, Entspannung, Tonisierung, Vorstellung und stille Meditationen unterstützt werden. QiGong arbeitet also mit dem Körper (Wahrnehmung, Haltung, Bewegung, Koordination) und dem Geist (Aufmerksamkeitsfokus bilden und halten, die Fähigkeit zur Imagination schulen, Emotionen wahrnehmen). Es integriert eine medizinische Ebene, schult die Arbeit mit Energien und Emotionen und bereitet den Körper – falls gewünscht – auf das Ausüben von sportlicher (Peak)Performance vor.

Derzeit unterrichte ich weder QiGong noch Meditation in Gruppen, integriere es aber – falls gewünscht gerne in Therapie- oder Coachingsitzungen.


Setze dich auf den Rand der Morgendämmerung,
die Sonne wird für dich aufgehen.
Setze dich auf den Rand der Nacht,
die Sterne leuchten für dich.
Setze dich an den Fluss,
die Nachtigall singt für dich.
Setze dich auf den Rand der Stille,
Gott wird mit Dir sprechen.

( Avagana Daçui - ra)